Fachinformatiker Weiterbildung: Wege und Förderung

Fachinformatikerin steht nachdenklich vor einem geöffneten Netzwerkschrank in einem hellen Serverraum
Nach der Ausbildung stellt sich für viele Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker die Frage nach dem nächsten Schritt. (KI generiertes Bild)

Nach der Ausbildung zum Fachinformatiker oder zur Fachinformatikerin gibt es drei typische Wege: eine Aufstiegsfortbildung mit IHK-Prüfung, ein berufsbegleitendes Studium und Herstellerzertifikate. Die IHK-Abschlüsse für die IT sind seit dem 1. November 2024 neu geordnet. Auf den Geprüften Berufsspezialisten (DQR-Niveau 5) folgt der Bachelor Professional in IT (DQR-Niveau 6).

Welche Fachinformatiker-Weiterbildung passt, hängt vom Ziel ab: fachliche Vertiefung, Verantwortung für Projekte und Teams oder ein Hochschulabschluss mit Option auf den Master. Für die IHK-Wege kommt Aufstiegs-BAföG in Frage, für das Studium vor allem Stipendien und die Beteiligung des Arbeitgebers. Stand der Angaben: Oktober 2026.

Aufstiegsfortbildung nach BBiG: die neuen IT-Abschlüsse

Seit 2020 kennt das Berufsbildungsgesetz drei Fortbildungsstufen (§ 53a BBiG): Geprüfter Berufsspezialist, Bachelor Professional und Master Professional. Der Lernumfang soll mindestens 400, 1.200 beziehungsweise 1.600 Stunden betragen (§§ 53b bis 53d BBiG).

Das Bundesinstitut für Berufsbildung beschreibt das seit 1. November 2024 geltende IT-Weiterbildungssystem mit zwei Stufen, deren Prüfungen die IHKs abnehmen. Einen Master Professional für die IT gibt es bisher nicht; ob es Bedarf für Profile auf einer dritten Stufe gibt, soll das BIBB in einer begleitenden Evaluation prüfen.

Erste Stufe: Geprüfte Berufsspezialisten in fünf Profilen

Die erste Stufe umfasst fünf Abschlüsse, jeweils als „Geprüfter Berufsspezialist“ oder „Geprüfte Berufsspezialistin“ für:

  • Softwareentwicklung
  • Systemintegration und Vernetzung
  • IT-Beratung
  • Datenanalyse
  • Informationssicherheit

Zugelassen wird, wer eine IT-Ausbildung abgeschlossen hat. Alternativ genügen eine andere Ausbildung plus ein Jahr Berufspraxis, 60 ECTS-Punkte aus einem Studium plus zwei Jahre Praxis oder vier Jahre Berufspraxis, jeweils mit inhaltlichem Bezug zum Profil. Geprüft wird schriftlich mit zwei Situationsaufgaben und mündlich mit einer Präsentation samt Fachgespräch.

Zweite Stufe: Bachelor Professional in IT

Der Bachelor Professional in IT qualifiziert für Fach- und Führungsaufgaben: IT-Projekte leiten, Geschäftsprozesse optimieren, Informationssicherheit gewährleisten und Mitarbeitende führen. Die Prüfung besteht aus vier Teilen: fachliche Spezialisierung, IT-spezifische Handlungsfelder, Mitarbeitendenführung und Personalmanagement sowie ein IT-Projekt.

Mit abgeschlossener IT-Ausbildung können Sie direkt antreten. Der Berufsspezialist ist keine Voraussetzung; wer ihn hat, kann sich auf Antrag vom ersten Prüfungsteil befreien lassen. Weitere Zugänge sind eine andere Ausbildung plus ein Jahr Praxis, 90 ECTS-Punkte aus einem fachverwandten Studium plus zwei Jahre Praxis oder fünf Jahre Berufspraxis. Wer besteht, ist zudem vom schriftlichen Teil der Ausbildereignungsprüfung befreit (§ 33 BAProITFPrV).

Nicht jede IHK bietet jede Spezialisierung an, und die ersten Prüfungen nach neuem Recht starten je nach Kammer zwischen 2026 und 2027.

Berufstätige sitzen abends in einem hellen Seminarraum und folgen einem Vorbereitungslehrgang
Vorbereitungslehrgänge laufen berufsbegleitend, etwa an festen Wochentagen oder in Blockwochen. (KI generiertes Bild)

Beruflich oder akademisch: was die DQR-Niveaus aussagen

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ordnet Abschlüsse acht Niveaus zu. Die dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker mit den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse oder Digitale Vernetzung liegt auf Niveau 4. Berufsspezialisten stehen auf Niveau 5, Bachelor Professionals und Hochschul-Bachelor auf Niveau 6, Master Professionals und Hochschul-Master auf Niveau 7.

Stufen nach der AusbildungIHK-FortbildungHochschulstudiumDQR 7Master Professionalfür IT noch offenMasterz. B. IT-MasterDQR 6Bachelor Professionalin ITBachelorz. B. InformatikDQR 5Berufsspezialist/-in5 IT-ProfileStudium ohne Abiturnach LandesrechtDQR 4Ausbildung Fachinformatiker/-in3 Jahre, 4 FachrichtungenDQR-Niveau verleiht keine Zugangsrechte
Schaubild: Redaktion berufsbegleitend.de. Berufliche und akademische Abschlüsse nach der Fachinformatiker-Ausbildung im Deutschen Qualifikationsrahmen. Gestrichelt: für IT noch nicht geregelt bzw. Zugangsweg ohne eigenen Abschluss.

Die Zuordnung zu einem DQR-Niveau verleiht nach dem gemeinsamen Beschluss von Bund und Ländern keine Berechtigung. Der Bachelor Professional in IT steht auf derselben Stufe wie ein Hochschul-Bachelor, ist aber kein akademischer Grad und öffnet nicht automatisch den Weg in ein Masterstudium.

Berufsbegleitend studieren: Informatik oder Wirtschaftsinformatik

Wer einen akademischen Abschluss anstrebt, findet berufsbegleitende Studiengänge in Informatik und Wirtschaftsinformatik, etwa als Bachelor of Computer Science.

Studieren ohne Abitur: Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 erhalten Inhaber von Fortbildungsabschlüssen nach BBiG, deren Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen, eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Wer nur die Ausbildung hat, erhält eine fachgebundene Zugangsberechtigung nach mindestens drei Jahren Berufspraxis in einem zum Studiengang passenden Bereich und einem erfolgreichen Eignungsfeststellungsverfahren oder einem mindestens einjährigen Probestudium. Die Einzelheiten regeln die Landeshochschulgesetze, teils großzügiger.

Anrechnung: Kenntnisse aus Ausbildung, Fortbildung und Beruf können auf ein Studium angerechnet werden, wenn sie nach Inhalt und Niveau gleichwertig sind. Nach einem KMK-Beschluss von 2002 können sie höchstens 50 Prozent eines Studiums ersetzen. Wie viel angerechnet wird, entscheidet die Hochschule.

Master: Ein Masterstudium setzt in der Regel einen ersten Hochschulabschluss voraus; Ausnahmen für beruflich Qualifizierte regeln Länder und Hochschulen unterschiedlich. Wie ein berufsbegleitender IT-Master aufgebaut ist und sich neben dem Job organisieren lässt, zeigt unser Ratgeber zum berufsbegleitenden IT-Master.

Herstellerzertifikate als Ergänzung

Zertifikate von Cloud-, Netzwerk- oder Security-Herstellern belegen Wissen zu einer bestimmten Plattform oder Produktfamilie. In Administration, Cloud-Betrieb und IT-Sicherheit sind sie verbreitet, weil sie konkrete Werkzeugkenntnisse zeigen.

Es sind private Zertifikate, keine öffentlich-rechtlichen Abschlüsse; je nach Hersteller gelten sie nur befristet und müssen dann erneuert werden. Das Aufstiegs-BAföG fördert nur Lehrgänge, die auf Fortbildungsprüfungen nach BBiG, Handwerksordnung oder gleichwertige Abschlüsse vorbereiten (§ 2 AFBG); reine Zertifikatskurse fallen in der Regel nicht darunter. Zertifikate eignen sich daher vor allem als Ergänzung zu einem der beiden Hauptwege.

Berufstätiger lernt abends im Homeoffice mit Headset und Notizbuch für ein berufsbegleitendes Studium
Ein berufsbegleitendes Studium verlagert einen Teil des Lernens in die Abendstunden und an Wochenenden. (KI generiertes Bild)

Fachinformatiker Weiterbildung im Vergleich

Dauer und Kosten hängen von Anbieter, Lernform und Kammer ab.

Weg Abschluss/Niveau Dauer Förderung Passt zu
Geprüfter Berufsspezialist (IHK) Fortbildungsabschluss, DQR 5 Lernumfang mindestens 400 Stunden, Lehrgangsdauer je nach Anbieter Aufstiegs-BAföG, ggf. Weiterbildungsstipendium fachlicher Vertiefung in einem IT-Profil
Bachelor Professional in IT (IHK) Fortbildungsabschluss, DQR 6 Lernumfang mindestens 1.200 Stunden, Lehrgangsdauer je nach Anbieter Aufstiegs-BAföG, ggf. Weiterbildungsstipendium Projektleitung, Fach- und Führungsaufgaben
Bachelorstudium (Informatik, Wirtschaftsinformatik) Hochschulabschluss, DQR 6 Regelstudienzeit in Vollzeit 6 bis 8 Semester, berufsbegleitend je nach Hochschule länger Aufstiegsstipendium, Arbeitgeber akademischem Abschluss mit Option auf den Master
Masterstudium (z. B. IT-Master) Hochschulabschluss, DQR 7 Regelstudienzeit in Vollzeit 2 bis 4 Semester, berufsbegleitend je nach Hochschule länger vor allem Arbeitgeber Spezialisierung oder Leitungsaufgaben auf Masterniveau
Herstellerzertifikat privates Zertifikat, kein öffentlich-rechtlicher Abschluss je nach Zertifikat und Vorkenntnissen vor allem Arbeitgeber Nachweis von Plattform- und Produktwissen

Beim IHK-Weg kommen zu den Lehrgangsgebühren die Prüfungsgebühren der Kammer, die jede IHK selbst festlegt. Für den Bachelor Professional in IT nennt etwa die IHK Köln derzeit 855 Euro zuzüglich 279 Euro für die Projektarbeit, die IHK Darmstadt 1.670 Euro für alle vier Prüfungsteile zuzüglich einer Zulassungsgebühr. Die Lehrgangsgebühren legen die Anbieter selbst fest. Ein Lehrgang ist für die Zulassung nicht vorgeschrieben.

Förderung: Aufstiegs-BAföG, Stipendien und Arbeitgeber

Aufstiegs-BAföG: Für Lehrgänge zum Berufsspezialisten oder Bachelor Professional fördert das Aufstiegs-BAföG Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis 15.000 Euro, unabhängig von Einkommen und Vermögen. 50 Prozent sind Zuschuss, den Rest bietet die KfW als zinsgünstiges Darlehen an. Nach bestandener Prüfung werden auf Antrag 50 Prozent des noch nicht fälligen Darlehens erlassen. Einen Beitrag zum Lebensunterhalt gibt es nur bei Vollzeitlehrgängen und abhängig von Einkommen und Vermögen. Gefördert werden alle drei Fortbildungsstufen, eine Altersgrenze gibt es nicht.

Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, die Obergrenze auf 18.000 Euro und den Erlass bei Bestehen auf 60 Prozent anzuheben (Bundestags-Drucksache 21/8412 vom 7. Oktober 2026). Das Gesetz soll am 1. August 2027 in Kraft treten, die höhere Obergrenze nach dem Entwurf aber nur für Lehrgänge gelten, die ab diesem Tag beginnen. Bis zur Verabschiedung und zum Inkrafttreten gelten die bisherigen Werte.

Stipendien: Das Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderungswerk berufliche Bildung (SBB) setzt einen Berufsabschluss mit mindestens 87 Punkten oder einer Durchschnittsnote von 1,9 oder besser, einen der ersten drei Plätze in einem überregionalen Berufswettbewerb oder einen begründeten Vorschlag von Arbeitgeber oder Berufsschule voraus. Aufgenommen wird bis zum Alter von 24 Jahren; gefördert werden bis zu 9.135 Euro in drei Jahren bei 10 Prozent Eigenanteil. Für ein erstes Studium gibt es das Aufstiegsstipendium der SBB: Voraussetzung sind eine Ausbildung, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und besondere Leistungen; berufsbegleitend Studierende erhalten 3.045 Euro pro Jahr.

Arbeitgeber und Arbeitsagentur: Arbeitgeber können Kosten übernehmen oder freistellen, teils gegen eine Bindungs- oder Rückzahlungsvereinbarung. Zudem kann die Agentur für Arbeit nach § 82 SGB III Weiterbildungen Beschäftigter fördern, wenn unter anderem der Berufsabschluss in der Regel mindestens zwei Jahre zurückliegt, die Maßnahme mehr als 120 Stunden umfasst und Maßnahme sowie Träger zugelassen sind.

Mitarbeiterin und Teamleiter besprechen am Besprechungstisch eine geplante Weiterbildung
Freistellung, Kostenbeteiligung und ein geeignetes Praxisprojekt lassen sich am besten früh mit dem Arbeitgeber klären. (KI generiertes Bild)

So gehen Sie konkret vor

  1. Ziel klären: fachliche Vertiefung, Projekt- und Führungsverantwortung oder ein akademischer Abschluss.
  2. Bei der IHK nachfragen: Welche Spezialisierungen und Termine gibt es? Die Zulassung am besten vor Lehrgangsbeginn beantragen.
  3. Hochschulzugang prüfen: Regeln Ihres Bundeslandes klären und die Anrechnung bisheriger Leistungen beantragen.
  4. Förderung rechtzeitig beantragen: Aufstiegs-BAföG beim zuständigen Förderamt, Stipendien innerhalb der jeweiligen Fristen.
  5. Arbeitgeber einbinden: Freistellung, Kostenbeteiligung und ein betriebliches Projekt für den Prüfungsteil IT-Projekt besprechen; Rückzahlungsklauseln vor der Unterschrift genau lesen.

Häufige Fragen

Ist der Bachelor Professional in IT ein Bachelorabschluss?

Nein. Er ist ein öffentlich-rechtlicher Fortbildungsabschluss der IHK auf DQR-Niveau 6, also auf derselben Stufe wie ein Hochschul-Bachelor, aber kein akademischer Grad und kein automatischer Zugang zum Master.

Kann ich als Fachinformatiker ohne Abitur studieren?

Ja, unter Bedingungen. Ein Fortbildungsabschluss wie der Bachelor Professional führt nach dem KMK-Beschluss von 2009 in der Regel zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung. Mit der Ausbildung allein brauchen Sie mindestens drei Jahre passende Berufspraxis und ein Eignungsfeststellungsverfahren oder ein mindestens einjähriges Probestudium. Maßgeblich ist das Landesrecht.

Gibt es den Operativen Professional noch?

Für neue Prüfungen nicht. Die IT-Fortbildungsverordnung vom 3. Mai 2002 mit den Operativen und Strategischen Professionals, etwa dem Geprüften IT-Projektleiter, ist am 1. November 2024 außer Kraft getreten (§ 35 BAProITFPrV). Bereits begonnene Prüfungsverfahren sind bis zum 1. November 2027 nach altem Recht zu Ende zu führen (§ 34 BAProITFPrV).

Kleines Projektteam ordnet in einem hellen Büro leere Haftnotizen an einer Glaswand zu einem Projektplan
Zum Bachelor Professional in IT gehört ein IT-Projekt, entweder als betriebliches Projekt oder als Machbarkeitsstudie. (KI generiertes Bild)

Wie lange dauert der Bachelor Professional in IT berufsbegleitend?

Die Verordnung sieht in der Regel einen Lernumfang von mindestens 1.200 Stunden vor. Wie lange ein berufsbegleitender Lehrgang dauert, legt der Anbieter fest; ein Beispiel-Lehrgang mit einem Unterrichtstag pro Woche erstreckt sich über rund 27 Monate. Für das Aufstiegs-BAföG muss ein Teilzeitlehrgang innerhalb von 48 Kalendermonaten abgeschlossen sein (§ 2 AFBG).

Fördert das Aufstiegs-BAföG auch Zertifikate oder ein Studium?

Nein. Gefördert werden nur Lehrgänge, die auf öffentlich-rechtliche Fortbildungsprüfungen vorbereiten; ein Hochschulstudium und reine Zertifikatskurse gehören nicht dazu. Für ein erstes Studium kommt das Aufstiegsstipendium in Frage, für Zertifikate vor allem der Arbeitgeber.

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Verbindlich informieren IHK, Förderamt und Hochschule.