Praxistransfer im berufsbegleitenden Studium: 67 % erklärt

Berufstätige überträgt Notizen aus ihrem Studienskript auf ein Flipchart im Büro
Berufstätige überträgt Notizen aus ihrem Studienskript auf ein Flipchart im Büro (KI generiertes Bild)

Wie viel von dem, was Sie im berufsbegleitenden Studium lernen, kommt tatsächlich im Job an? Laut der Studierendenbefragung 2026 der AKAD University geben 67 Prozent der Befragten an, ihr Studienwissen bereits im Berufsleben anzuwenden. Der Praxistransfer im berufsbegleitenden Studium ist für die Mehrheit also Alltag, allerdings meist in mittlerem Umfang: Sehr umfangreich wenden knapp 19 Prozent ihr Wissen an, gar nicht gut 8 Prozent.

Dieser Beitrag zeigt, wie die 67 Prozent zustande kommen, warum Praxisnähe trotzdem kaum jemanden zur Studienwahl bewegt hat und mit welchen Routinen Sie selbst dafür sorgen, dass Module nicht in der Schublade landen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 67 Prozent fassen die Skalenwerte 5 bis 10 auf einer Skala von 0 bis 10 zusammen, die Skalenmitte eingeschlossen.
  • Werte von 8 bis 10, also starker Transfer, nennen 18,5 Prozent der 701 Befragten.
  • 8,4 Prozent wählen den Wert 0 und wenden bislang nichts an.
  • Praxisnähe war nur für 7,8 Prozent ein Grund, sich für die Hochschule zu entscheiden.
  • Transfer entsteht nicht von selbst: Betriebsbezogene Hausarbeiten, eine Transfer-Notiz pro Modul und ein Gespräch mit der Führungskraft helfen.

Was „67 Prozent wenden ihr Wissen an“ genau misst

Die AKAD University hat ihre eingeschriebenen Studierenden gefragt, in welchem Umfang sie ihr im Studium erworbenes Wissen und ihre Kompetenzen bereits im Berufsleben anwenden konnten. Geantwortet wurde auf einer Skala von 0 („gar nicht“) bis 10 („sehr umfangreich“); 701 Personen haben die Frage beantwortet. Es handelt sich um eine Selbstauskunft von Studierenden einer einzigen Hochschule. Befragungszeitraum, Grundgesamtheit und Rücklaufquote hat die Hochschule nicht veröffentlicht. Die Werte beschreiben also, wie AKAD-Studierende ihren eigenen Transfer einschätzen, und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Fernstudierenden übertragen.

Die oft zitierte Zahl von 67 Prozent ergibt sich, wenn man alle Antworten von 5 bis 10 zusammenzählt: 471 von 701 Befragten, das sind 67,2 Prozent. Der Wert 5 liegt genau in der Mitte der Skala. Wer ihn ankreuzt, sagt sinngemäß: „Ich wende einiges an, aber längst nicht alles.“ Das ist eine legitime Zusammenfassung, sie verdeckt aber, wie unterschiedlich die Erfahrungen innerhalb dieser Gruppe sind. Für Ihre eigene Entscheidung ist deshalb die Verteilung aufschlussreicher als die Summe.

Berufstätiger lernt abends am Küchentisch mit Studienunterlagen und Textmarker
Studieren neben dem Beruf: Ob das Wissen im Job ankommt, zeigt sich oft erst im Alltag. (KI generiertes Bild)

Drei Lesarten derselben Zahl

Zwei Drittel nutzen Studienwissenim Job, stark knapp ein FünftelAnwendung im Beruf, Skala 0 (gar nicht)bis 10 (sehr umfangreich), Anteile in %Wert 0 – gar nicht8,4 %Werte 1 bis 424,4 %Werte 5 bis 748,6 %Werte 8 bis 10 – sehr umfangreich18,5 %Werte 5 bis 10 zusammen: 67,2 %= die oft zitierten „67 Prozent“ (471 von 701)Quelle: AKAD-Studierendenbefragung 2026,n = 701; Gruppen: eigene Berechnung
Abb.: Umfang der Anwendung von Studienwissen im Beruf, Skala 0 (gar nicht) bis 10 (sehr umfangreich), zu vier Gruppen zusammengefasst. Gruppen und Summen sind eigene Berechnungen aus den veröffentlichten Werten; die Einzelwerte zeigt die Tabelle darunter. Quelle: AKAD-Studierendenbefragung 2026
Skalenwert Personen Anteil
0 (gar nicht) 59 8,4 %
1 18 2,6 %
2 38 5,4 %
3 68 9,7 %
4 47 6,7 %
5 106 15,1 %
6 112 16,0 %
7 123 17,6 %
8 73 10,4 %
9 22 3,1 %
10 (sehr umfangreich) 35 5,0 %

Quelle: AKAD University, Studierendenbefragung 2026, n = 701; Anteile gerundet.

Lesart 1: Die Mehrheit erlebt Transfer

Zwei Drittel der Befragten verorten sich auf der oberen Hälfte der Skala. Das ist für ein Studium, das parallel zum Beruf läuft, ein plausibles Ergebnis: Wer tagsüber Angebote kalkuliert, Teams führt oder Prozesse plant, trifft im Studium ständig auf Inhalte, die zur eigenen Arbeit passen. Der häufigste einzelne Wert ist die 7 mit 17,6 Prozent, gefolgt von 6 (16,0 Prozent) und 5 (15,1 Prozent). Die typische Antwort lautet also: deutlich mehr als nichts, aber nicht alles.

Lesart 2: Starker Transfer ist die Ausnahme

Nimmt man nur die Werte 8 bis 10, bleiben 130 Personen oder 18,5 Prozent. Knapp jede und jeder Fünfte erlebt also einen Transfer, den man als umfangreich bezeichnen kann. Der Höchstwert 10 kommt auf 5,0 Prozent. Wer erwartet, dass praktisch jedes Modul sofort im Arbeitsalltag zum Einsatz kommt, sollte diese Zahl kennen.

Lesart 3: Ein Teil wendet (noch) nichts an

59 Befragte, also 8,4 Prozent, wählen die 0. Rechnet man die Werte 0 bis 4 zusammen, liegt ein knappes Drittel (32,8 Prozent, eigene Berechnung aus den veröffentlichten Werten) in der unteren Hälfte. Die Befragung verrät nicht, warum. Denkbar sind ein Studium in einem Fach, das nicht zum aktuellen Job passt, ein Studienbeginn vor wenigen Monaten oder ein Berufswechsel als eigentliches Ziel. Für diese Gruppe ist Transfer eher eine Investition in den nächsten Job als in den jetzigen.

Das Paradox: Praxisnähe war fast nie der Wahlgrund

Bemerkenswert wird der Wert im Vergleich mit einer zweiten Frage derselben Befragung. Als die AKAD-Studierenden angeben sollten, welche Faktoren für ihre Hochschulwahl besonders relevant waren (Mehrfachnennung, n = 842), nannten nur 66 Personen die Praxisnähe. Das sind 7,8 Prozent und Rang sieben von neun Faktoren. An der Spitze stand mit 88,4 Prozent das digitale Studienmodell; die vollständige Rangliste der Wahlgründe ist ein eigenes Thema.

In einer dritten Frage bewerteten dieselben Befragten einzelne Punkte nach ihrer Wichtigkeit auf einer Skala von 1 (sehr wichtig) bis 5 (gar nicht wichtig). Die „schnelle praktische Anwendbarkeit des Erlernten“ erreichte einen Mittelwert von 2,1. Sie gilt damit als wichtig, liegt aber hinter Punkten wie dem selbst bestimmten Lernort (1,2) oder dem eigenen Lerntempo (1,4).

Eine vorsichtige Deutung: Berufstätige wählen ein Studium zuerst danach, ob es sich mit Job und Familie vereinbaren lässt. Der Praxisbezug ergibt sich dann im Alltag, weil Beruf und Studium parallel laufen, und nicht, weil die Hochschule ihn versprochen hat. Einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Wahlgrund und späterer Anwendung belegt die Befragung allerdings nicht.

Wer in Deutschland neben dem Beruf studiert

Um die AKAD-Werte einzuordnen, hilft ein Blick auf die amtliche Statistik. Im Wintersemester 2024/25 waren nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts rund 2,87 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Wie viele davon neben dem Beruf studieren, weist Destatis nicht gesondert aus. Einen Anhaltspunkt liefert die 22. Sozialerhebung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), für die 2021 Studierende befragt wurden.

Studienformat Anteil an allen Studierenden Durchschnittsalter davon in einem Teilzeitstudium
Präsenzstudium 79,8 % 24,9 Jahre 1,7 %
Fernstudium 10,3 % 30,2 Jahre 29,9 %
Duales Studium 5,0 % 23,4 Jahre 11,6 %
Berufsbegleitendes Studium 4,9 % 33,1 Jahre 70,8 %

Quelle: DZHW, Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung, Infokasten 3 und Tabelle A3.18 (Befragung 2021).

Berufsbegleitend Studierende sind im Schnitt gut acht Jahre älter als Präsenzstudierende und studieren überwiegend in Teilzeitstudiengängen. Sie bringen also Berufserfahrung mit, an die das Studium anknüpfen kann. Genau so beschreibt auch der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz das Format: meist mit einer Vollzeitstelle vereinbar, Lehre abends, am Wochenende oder in Blöcken, und die berufliche Tätigkeit wird häufig eingebunden, etwa über Projektarbeiten.

Nutzen von Weiterbildung: ein Vergleichsmaßstab

Ob zwei Drittel viel oder wenig sind, lässt sich ohne Maßstab schwer sagen. Einen groben Anhaltspunkt bietet der AES-Trendbericht 2022 zum Weiterbildungsverhalten in Deutschland, herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Danach nahmen 58 Prozent der 18- bis 64-Jährigen an Weiterbildung teil. 75 Prozent der Weiterbildungsaktivitäten wurde ein sehr hoher oder recht hoher Nutzen zugeschrieben, 2012 waren es noch 87 Prozent.

Ein direkter Vergleich mit der AKAD-Zahl ist nicht möglich: Der AES fragt nach dem Nutzen einzelner Kurse und Schulungen aller Art, nicht nach der Anwendung eines Hochschulstudiums, und arbeitet mit einer anderen Skala. Beide Werte zeigen aber in dieselbe Richtung. Lernen neben dem Beruf wird von den meisten als nützlich erlebt, und ein Teil zieht kaum etwas für die aktuelle Arbeit daraus.

Zwei Kollegen besprechen an einem Whiteboard eine Prozessverbesserung mit Studienunterlagen
Aus dem Modul in den Betrieb: Studieninhalte lassen sich in echten Projekten erproben. (KI generiertes Bild)

Praxistransfer organisieren: fünf Routinen für den Arbeitsalltag

Ob Sie am Ende zu den 18,5 Prozent mit starkem Transfer gehören, hängt nicht nur vom Studiengang ab. Die folgenden Routinen sind Erfahrungsregeln aus dem Studienalltag Berufstätiger, keine Erfolgsgarantie. Sie kosten wenig Zeit und machen den Praxistransfer im berufsbegleitenden Studium planbar.

  1. Hausarbeiten auf echte Fragen legen. Viele Studiengänge lassen bei Haus-, Projekt- und Abschlussarbeiten Spielraum beim Thema. Nutzen Sie ihn für eine Frage, die in Ihrem Betrieb ohnehin offen ist: eine Kostenanalyse, ein Prozessvergleich, eine Kundenbefragung. Klären Sie vorher, welche internen Daten Sie verwenden dürfen.
  2. Eine Transfer-Notiz pro Modul. Halten Sie am Ende jedes Moduls auf einer Seite fest, welche zwei oder drei Inhalte Sie wo im Job einsetzen wollen und bis wann. Nach drei Monaten prüfen Sie, was davon passiert ist. Das macht sichtbar, welche Module tatsächlich wirken.
  3. Die Führungskraft früh einbinden. Ein kurzes Gespräch über Ihre Module öffnet oft Türen zu passenden Projekten. Was Sie dabei arbeitsrechtlich beachten sollten, etwa bei befristeten Verträgen, erklärt unser Beitrag zu den Rechten im Arbeitsverhältnis während des Studiums.
  4. Kommilitonen als Resonanzraum. Andere Berufstätige im Studium haben ähnliche Fragen in anderen Branchen. Wer sich austauscht, sieht schneller, wie sich ein Modell übertragen lässt. Wie daraus dauerhafte berufliche Netzwerke aus dem Studium entstehen, lesen Sie in einem eigenen Beitrag.
  5. Ein fester Wochenrückblick. Zehn Minuten am Freitag genügen: Was habe ich diese Woche gelernt, was davon angewendet? Die Routine lässt sich gut mit der übrigen Studienorganisation neben dem Beruf verbinden.

Rückschläge gehören dazu. Wenn eine Klausur nicht auf Anhieb gelingt, ist das kein Zeichen, dass der Transfer scheitert. Hilfreiche Schritte für den Fall, wenn eine Prüfung nicht klappt, haben wir gesondert zusammengestellt.

Hände schreiben eine Transfer-Notiz in ein Notizbuch neben einem Modulhandbuch
Eine Seite pro Modul genügt, um festzuhalten, was im Job angewendet werden soll. (KI generiertes Bild)

Studiengang vorab auf Praxisbezug prüfen: Checkliste

Die AKAD-Zahlen zeigen, dass Transfer kein Selbstläufer ist. Bevor Sie sich einschreiben, lohnt deshalb ein genauer Blick ins Modulhandbuch und in die Prüfungsordnung. Diese Fragen helfen bei der Einschätzung:

  • Fallstudien und Planspiele: Arbeiten die Module mit realistischen Unternehmensfällen oder Simulationen, oder überwiegt reine Wissensabfrage?
  • Projektmodule: Gibt es Module, in denen Sie eine Aufgabe aus Ihrem eigenen Betrieb bearbeiten können?
  • Prüfungsformen: Wie hoch ist der Anteil an Hausarbeiten, Präsentationen und Projektberichten im Vergleich zu Klausuren?
  • Themenwahl: Dürfen Sie Themen für Hausarbeiten und Abschlussarbeit selbst vorschlagen, auch mit Unternehmensbezug?
  • Passung zum Job: Wie viele Pflichtmodule decken Aufgaben ab, die Sie heute oder in Ihrer Zielposition erledigen?

Wer mehrere dieser Punkte mit Ja beantworten kann, hat gute Voraussetzungen, später eher im oberen Bereich der Skala zu landen. Ein Überblick über Hochschulen mit berufsbegleitenden Studiengängen hilft beim Vergleich.

Zwei Berufstätige vergleichen Studienbroschüren und Modulhandbücher am Tisch
Vor der Einschreibung lohnt ein genauer Blick auf Projektmodule und Prüfungsformen. (KI generiertes Bild)

Häufige Fragen

Wie praxisnah ist ein berufsbegleitendes Studium wirklich?

Laut der AKAD-Befragung 2026 wenden 67 Prozent der 701 Befragten ihr Studienwissen im Beruf an (Skalenwerte 5 bis 10), sehr umfangreich 18,5 Prozent. Die Praxisnähe entsteht zu einem großen Teil dadurch, dass Studium und Beruf parallel laufen.

Kann ich das Gelernte sofort im Job anwenden?

Ein Teil der Studierenden kann das, die meisten aber in mittlerem Umfang: Der häufigste Wert auf der Skala von 0 bis 10 ist die 7. 8,4 Prozent wenden bislang nichts an. Wie viel ankommt, hängt stark von Modulwahl, Fachrichtung und Arbeitsplatz ab.

Wie bringe ich Studieninhalte in meinen Arbeitsalltag?

Legen Sie Haus- und Projektarbeiten auf Fragen aus Ihrem Betrieb, notieren Sie pro Modul, was Sie wo anwenden wollen, sprechen Sie früh mit Ihrer Führungskraft und tauschen Sie sich mit anderen Berufstätigen im Studium aus.

Spielt Praxisnähe bei der Studienwahl eine Rolle?

Weniger als oft angenommen. In der AKAD-Befragung nannten nur 7,8 Prozent die Praxisnähe als Grund für ihre Hochschulwahl (Mehrfachnennung, n = 842). Deutlich häufiger ging es um das Studienmodell und die freie Zeiteinteilung.

Wie viele Menschen studieren in Deutschland neben dem Beruf?

Nach der 22. Sozialerhebung des DZHW studierten rund 10 Prozent im Fernstudium und knapp 5 Prozent in einem berufsbegleitenden Studiengang. Berufsbegleitend Studierende sind im Schnitt 33,1 Jahre alt.

Wenn Sie ein Studium neben dem Beruf planen, nehmen Sie die Checkliste mit ins Beratungsgespräch der Hochschule und fragen Sie gezielt nach Projektmodulen und Themenwahl. Wer schon studiert, kann mit der Transfer-Notiz noch in diesem Semester beginnen.